Ausstellung vom 9. März bis 8. April, 2018 – Exhibition from March 9 to April 8, 2018

Immanuel Birkert
TEARS DRIP DOWN ON MY RETINA DISPLAY

Beim Betreten der Ausstellung von Immanuel Birkert (*1989 Frankfurt am Main), fällt einem die Arbeitsweise, welche einen Akt des Wiederaufbaus von Beziehungen zu konkreten Objekten aus individuellen Erinnerungen beschreibt, auf. Birkert interessiert sich dabei für die Erschaffung romantischer Szenerien. Er sucht nach einer transformierten Form der Sprache als Träger, die er in der Umwandlung konzeptueller Auseinandersetzungen findet und die sich durch die Wahl von tragisch konnotierten Objekten behaupten lassen: Im Diskurs zwischen Kunst und Liebe kommuniziert die Ästhetik seiner Arbeiten mit der Neigung der Nachempfindung einer Kunstauffassung, die er aus Lektüren und Abbildungen der Sehnsucht zieht. Geht es ihm in seiner künstlerischen Praxis darum sich in eine bestimmte Zeit einzufühlen, können seine Ausstellungen als Installationen rezipiert werden, die durch das Gesamtempfinden funktionieren.
Der Kerzenständer, der Krug und die Kacheln, welche eine Oberfläche des Tisches formen, ergeben eine, extra für den Raum des Privateoffspace inszenierte Installation, die sich dieser Neigung der romantischen Hinzuwendung widmen. Die affektive Bedeutung der Vase z.B. als Nutzobjekt verliert ihre unscheinbare Attitüde und besetzt eine andere Stellung durch das romantische Auge. So funktioniert das Kunstwerk dann, wenn das besondere Ereignis des Selbst und des Anderen aus dem Bestehenden oder Traditionellen entfernt wird. In dieser Hinsicht wird das Kunstwerk als ein Ereignis zwischen diesen beiden Elementen verstanden.

So wird alles in der Entfernung Poesie, ferne Berge, ferne Menschen, ferne Begebenheiten usw. (alles wird romantisch),
schreibt Novalis. Diese Beziehung ist in gleichem Maße auch unter den Kunstwerken eine endlose Schleife mit vielen Bahnen und Bedeutungen. Das Ich ist vielleicht endlich und das Andere eine Menge von Potentialen. Es scheint jedoch, dass wir bei diesem Ereignis keine andere Wahl haben. Die formalen Kontingente, die das Innere und Äußere der Kunstwerke ausmachen, sind keineswegs fixiert, sondern bindend. Die Beziehung zwischen dem von Immanuel Birkert ausgestelltem Kunstwerk und der romantischen Grundhaltung bieten hier die Grundlage einer Beschreibung innerer und äußerlicher emotionaler Zustände.

Marie Oucherif

Biografie – Biography

Immanuel Birkert
*1989 Frankfurt am Main
seit 2015, Staatliche Hochschule für Bildende Künste Städelschule, Klasse Tobias Rehberger
2014-2015, Kunsthochschule Mainz

Gruppenausstellungen (Auswahl)
Rundgang, Hochschule für Bildende Künste Städelschule – Frankfurt, 2018
Rundgang, Hochschule für Bildende Künste Städelschule – Frankfurt, 2017
My Third Wish Has Always Been Three More, Infinite – Berlin, 2016
KunstHoch46, Burg Galerie im Volkspark – Halle, 2016
Rundgang, Hochschule für Bildende Künste Städelschule – Frankfurt, 2016
Cosmic Latte, Nassauischer Kunstverein – Wiesbaden, 2015

Einzelausstellungen (Auswahl)
The Ash And The Clay, Johann-Space Städelschule – Frankfurt am Main, 2017
Dowsing, Galerie der HFBK – Hamburg, 2017
Landscape With Sunrise, Schleuse Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen – Rüsselsheim, 2016