IMG_2269

Christian Piper – Interview

Vom Bischof von New York bis zum Kaiser von China

Interview mit Christian Piper von JCYM, Januar 2016

PRIVATEOFFSPACE zeigt im Februar/März 2016 eine Retro-Perspektive von Christian Piper, der in den 70-igern als Illustrator bei den legendären Push Pin Studios in New York City begann. Seine fotografisch künstlerischen Arbeiten schafften es auf die Titelcovers von Time Magazine, The New York Times, Vogue, Graphis und Plattencovers der Rolling Stones (MoMA Sammlung). Seine Malerei findet sich weltweit in zahlreichen Privatsammlungen.
Wir trafen uns in Görlitz und in Frankfurt.
Von Anfang an amüsierte mich Christians authentische Originalität seines Schaffens und der Erzählungen über seine anekdotischen Begegnungen…

JCYM: Als mir Beatrice Steimer von Dir erzählte und ich die ersten Gemälde sah, war ich unmittelbar von der ganz eigenen meditativen Qualität berührt. Es drängten sich mir auch keine Referenzen anderer Maler auf. Irgendwie hatte ich eine Ahnung, dass diese eigene Bilderwelt asiatischen Ursprungs ist…

IMG_2245

Christian Piper im PRIVATEOFFSPACE, Januar 2016

CP: Ja das Bild „Viewing of the Golden Stick“ ist von den Räumen des Palastes des chinesichen Kaisers Qianlong inspiriert. Es entstand bei wunderbarem Sommerwetter in 2015. Es ist ein schattenloses Bild. Im Gegensatz zur europäischen Malerei wurden in der chinesischen Kunst keine Schatten verwendet, um Räumlichkeit zu schaffen. Schatten galten als etwas Schmutziges. Es gibt da eine Anekdote über Quianlong. Als es dem italienischen Maler Guiseppe Castiliogne nach 20 Jahren gelang direkten Kontakt zum chinesischen Kaiser aufzunehmen, schenkte er diesem ein „Maria mit Kind“ Bild. Der Kaiser war sehr verstört über die Schatten auf dem Bild.

JCYM: Insbesondere die goldigen Reliefteile auf Deinem Bild „Viewing of the Golden Stick“ eröffneten für mich die Assoziation mit der asiatischen Bilderwelt. Woher kommen diese Reliefs?

CP: Es handelt sich dabei nicht um Blattgold sondern um Bronze, welches über die Zeit seinen Schein erhält. Ich fand die Textur spannend, weil sie erlaubt, ohne Schatten malen zu müssen, Räumlichkeit zu erzeugen. Das Thema des podestartigen Körpers hatte ich schon 1974, als ich in New York in meinem Loft eine raumfüllende Skulptur wie auf dem Bild baute.

JCYM: Woher kommt eigentlich dieses Interesse für Kunst und andere Kulturen? Du verwendest sowohl Zitate aus der ägyptischen als auch der asiatischen Kultur und der Gotik mit einem Deckenfresko von Giotto in Sienna.

CP: Zu Hause war ich von Radierungen Dürers umgeben. Schon als Kind hatte ich mit einem Freund Kunstbücher durchgesehen. Die Mutter meines Vaters war Malerin. Eine besondere Verbindung habe ich zu Kunstbüchern. Ich hatte sogar mal eine Bücherei geerbt. Ich verkaufte dann in Bausch und Bogen den gesamten Bestand an ein Antiquariat. Mit dem Geld finanzierte ich mir mein Kunststudium. Besonders prägte mich die Begegnung mit dem Tanzlehrer Prof. Hans Züllig von der Folkwang Universität der Künste.
Ich unternahm mit ihm einige Reisen. Er kam mich auch in New York besuchen, gemeinsam mit der Choreografin Pina Bausch waren wir dann unterwegs. Er teilte meine Leidenschaft für Kunstbücher.

JCYM: Als wir unseren Dialog zu Deinem Werk begannen, fiel mir auch der eigene Stil Deiner Illustrationen auf. Es sind Fotografien, die Du dann mit Airbrush nachbearbeitest und dadurch entstehen wie eine Art Geisterbilder. Ich glaube mit diesen Arbeiten könnte man eine eigene Ausstellung gestalten. Du interessierst Dich ja sehr für Fotografie und Du hattest ja einige Auftragsarbeiten für die New York Times. Dabei liebe ich Deine Anekdote zum Bischof von New York…

CP: Ruth Ansel die Art Direktorin der New York Times fand meine Fotografien gut. Sie hatte die Idee mich zum Bischof von New York zu schicken, um eine Geschichte zu fotografieren. Ich kam zu ihm in seine Tudor Style Residenz. Er empfing mich mit den Worten „ Ah there he is the christian piper“. Ich fotografierte ihn dann auf einer Gebetsbank mit gefalteten Händen in dem mit Eiche ausgekleideten Raum, dann seine violette Tiara. Zu Hause kam mir dann die Idee mit dem Kissen. Ich ließ ein Kissen anfertigen , fotografierte dieses ab und collagierte die Tiara darauf. Die Endversion landete dann auf der Titelseite des Weekend Magazines der New York Times. So hatte der christliche Pfeifer sein erstes Cover.
Graphis Magazine Ausgabe 172, 1974 von Christian Piper, Fotocollage mit Airbrush nachbearbeitet (Quellbild: Odalisque with Slave, 1842 Jean-Dominique Ingres – Walter´s Art Museum, Baltimore)

JCYM: Ich glaube das Cover welches Deinen Weg weiter sehr beeinflussen sollte war jenes für das Graphis Magazin im Jahr 1974?

CP: Ich kam gerade nach einer langen Nacht nach Hause während der ich immer und immer wieder einen Song der Rolling Stones abspielte. Da klingelte das Telefon. Am Apparat war Mick Jagger. Mein Englisch war damals nur bruchstückhaft vorhanden und ich hatte Probleme seinen eigenen Akzent zu verstehen. Er sagte mir, er hätte mein Cover für das Graphis Magazin gesehen und so kam ich zu meinem ersten Auftrag für die Stones.

MickJagger_by_ChristianPiper_WestSideParkApartment1989_LimitedEdition

Mick, Fotografie von Christian Piper, 1989 Westside Park Studios (Edition von 2 AP + 6 Stk)

JCYM: Die Arbeiten für Mick Jagger, der die Covers selbst auswählte, brachten auch eine sehr private Fotografie von ihm hervor, die ich gerne mit „Larger than life“ untertiteln würde, nachdem Du diese Redewendung im Zusammenhang mit seiner Person brachtest.

Sie ist wunderbar. Wir werden sie im Rahmen Deiner ersten Ausstellung im PRIVATEOFFSPACE als streng limitierte Edition anbieten.

CP: Mick war damals gerade aufgestanden, aber das Foto spricht ja für sich…
JCYM: Und was Fotografie anbelangt hast Du noch einige andere Schätze. Du trägst sie ja mit Dir als Diapositive herum. Ich musste Dich unbedingt damit abfotografieren als wir uns sonntag früh morgens im Auto vor Deiner Rückreise unterhielten.

IMG_2269

CP: Und dann war da noch die Idee von Sonntagmorgen, dass wir Feng Shui in die Ausstellungsarchitektur einbringen. Bin mal gespannt, wie das ankommt und die Hängung des Bildes „Cartier“ beeinflusst.

IMG_2263

Christian Piper und „Cartier“ , 100 x 80 cm, Acryl auf Leinwand